Pflege: Land und Kommunen in der Pflicht

Stuttgart, 17. Januar 2014

Neujahrsempfang der B 52-Verbändekooperation in Stuttgart

Situation in Baden-Württemberg besser als in anderen Bundesländern – Pflegeberuf aufwerten – Prävention soll Pflegebedürftigkeit verringern

(ARGE B 52) – Das Thema Pflege nimmt im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung einen wichtigen Platz ein. Doch auch die Landesregierung und die Kommunen in Baden-Württemberg sind gefordert, um die Versorgung der Pflegebedürftigen im Land weiterhin zu gewährleisten. Ihre spezielle Aufgabe liege im „Aufbau ambulanter und wohnortnaher Strukturen“, betonte Katrin Altpeter, Ministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren in Baden-Württemberg, bei einem Expertengespräch im Rahmen des Neujahrsempfangs der B 52-Verbändekooperation Baden-Württemberg am Dienstagabendin Stuttgart.

Da die Zahl der Pflegebedürftigen aufgrund der geburtenstarken Jahrgänge zunehme, gewinne auch der Grundsatz „ambulant vor stationär“ immer mehr an Bedeutung, gab Altpeter zu bedenken. Sie sieht daher die Kommunen in der Pflicht, für die Infrastruktur zu sorgen. Darüber hinaus müssten Angebote wie betreutes Wohnen und Tagespflege, aber auch Wohngemeinschaften und Mehr­generationenhäuser weiterentwickelt werden. Die Träger der Pflegeeinrichtungen forderte die Ministerin auf, die Rahmen­bedingungen für das Pflegepersonal zu verbessern. „Pflege muss als eigenständige Profession etabliert werden“, so ihre Forderung.

Walter Scheller von der B 52-Verbändekooperation betonte die Notwendigkeit,einer schleichenden Entwertung der Leistungen der Sozialen Pflegeversicherung durch eine Regelung zur Dynamisierung der Leistungssätze entgegen zu wirken. „Damit würde die Werterhaltung der Leistungen der Sozialen Pflegeversicherung dann zukünftig mit der wirtschaftlichen Entwicklung fortschreiten und nicht (mehr) dem politischen Kalkül unterliegen.“ Darüber hinaus sei es notwendig, die Prävention auszubauen. „Wir müssen Bluthochdruck und Diabetes besser in den Griff bekommen!“ Dadurch könnte der Eintritt in die Pflegebedürftigkeit nach hinten verschoben werden. Eine weitere Forderung Schellers: die Grenzen zwischen ambulanter und stationärer ärztlicher Versorgung neu zu strukturieren, um Doppeluntersuchungen zu verringern.

„Die Qualität der Pflege in Baden-Württemberg ist im Vergleich zu anderen Bundesländern richtig gut“, sagte Erik Scherb, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) Baden-Württemberg. Eine Herausforderung für die Pflege sieht er in der Zunahme der Demenzerkrankungen, der man in Pflegeheimen mit kleineren Einheiten – acht bis zwölf Plätzen – begegnen könne. Da der MDK die einzige Institution sei, die die Pflegebedürftigen in ihrer häuslichen Situation aufsucht und mit ihnen und den Pflegenden ins Gespräch kommt, will er auf der Grundlage dieser Erfahrungen die Kommunikation mit den Pflegekassen intensivieren.

Rund 150 Akteure aus dem baden-württembergischen Gesundheitswesen nahmen am Neujahrsempfang teil.

Hintergrund:

Zur Arbeitsgemeinschaft B 52-Verbändekooperation Baden-Württemberg gehören der BKK Landesverband Süd, die IKK classic, der Verband der Ersatzkassen Baden-Württemberg und die Knappschaft – Regionaldirektion München. Circa 60 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg vertrauen diesen Krankenkassen und sind bei diesen versichert.

Die vier Krankenkassenarten bilden seit vielen Jahren eine einzigartige Kooperationsgemeinschaft, die es so nur in Baden-Württemberg gibt und die es sich zum Ziel gesetzt hat, gemeinsame Interessen und politische Positionen abzustimmen und dadurch Effizienzsteigerungen, Synergie­effekte und noch mehr Qualität für die Versicherten und Patienten zu erreichen.

Hinweis an die Redaktion:

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich bitte an folgende Ansprechpartner/innen:

  • BKK Landesverband Süd
    Regionaldirektion Baden-Württemberg, Kornwestheim
    Jens Bürger, Telefon: 07154 1316-520
  • IKK classic
    Pressestelle Baden-Württemberg, Ludwigsburg
    Bettina Uhrmann, Telefon: 07141 9404-231
  • Knappschaft
    Regionaldirektion München
    Gisbert Frühauf, Telefon: 089 38175-405
  • Verband der Ersatzkassen (vdek)
    Landesvertretung Baden-Württemberg, Stuttgart
    Frank Winkler, Telefon: 0711 23954-19