Landespolitik und Krankenkassen diskutierten über die Zukunft der Krankenhäuser in Baden-Württemberg

Stuttgart, 23. Oktober 2015

Gesundheitspolitische Veranstaltung der B 52-Verbändekooperation Baden-Württemberg

Qualität als zentrales Gestaltungskriterium

Angesichts immer weiter steigender Kosten – 2015 gibt die gesetzliche Krankenversicherung 73,5 Milliarden Euro für die Krankenhausbehandlung aus – sind strukturelle Änderungen in der baden-württembergischen Krankenhauslandschaft unausweichlich, betonte Konrad Ehing von der B 52-Verbändekooperation bei der gesundheitspolitischen Veranstaltung der vier Kassenarten BKK, IKK classic, Knappschaft und Ersatzkassen am Donnerstag in Stuttgart. Baden-Württemberg sei zwar anderen Ländern weit voraus. Doch müsse das Land jetzt den Impuls des Krankenhaus-Strukturgesetzes nutzen, um die Angebotsstruktur zu straffen und Fehlversorgung abzubauen. Hierzu sieht das neue Gesetz einen Strukturfonds aus Steuermitteln vor. Um Gelder daraus zu erhalten, müssen die Bundesländer die gleiche Summe aus eigenen Mitteln kofinanzieren. Sozialministerin Katrin Altpeter sicherte zu, diese Kofinanzierungsmittel „außerhalb der Investitionskostenförderung bereitzustellen“, um nötige Umwandlungsprozesse zu unterstützen. Bei voller Kofinanzierung können so für Baden-Württemberg insgesamt bis zu 130 Mio. Euro eingesetzt werden.

Auf den ersten Blick steht das Land in Sachen Krankenhausversorgung gut da, wie Dr. Boris Augurzky vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung darlegte. Die Baden-Württemberger haben bundesweit die längste Lebenserwartung und gehen am seltensten ins Krankenhaus, sodass die Krankenhauskosten pro Einwohner mit 864 Euro pro Kopf am niedrigsten sind. Dennoch ist die „wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser in Baden-Württemberg mit am schlechtesten“, so Augurzky: Die Hälfte der Krankenhäuser schrieb 2013 rote Zahlen, bundesweit tun das lediglich 30 Prozent. Augurzky empfahl als Lösungsansatz mehr Marktdynamik, die Bündelung von Kapazitäten und höhere Investitionen.

Auch wenn die grün-rote Landesregierung die Investitionskostenförderung in den vergangenen Jahren um 35 Prozent erhöht hat, so bleibe dennoch eine Lücke, die es zu füllen gilt, legte Augurzky dar. Dass jedoch mehr Geld allein die Problematik nicht lösen kann, zeigte sich in der anschließenden Podiumsdiskussion. Es müssen auch die Strukturen der Krankenhausversorgung im Land geändert werden. Einig waren sich die Vertreter der vier Landtagsfraktionen Jochen Haußmann (FDP/DVP), Bärbl Mielich (Bündnis 90/die Grünen), Stefan Teufel (CDU) und Florian Wahl (SPD) mit Walter Scheller (B 52-Verbändekooperation), dass Qualität dabei das entscheidende Gestaltungskriterium sein muss. Dabei sei eine stärkere Spezialisierung im Sinne des Patientenschutzes dringend geboten, forderte Anton Haupenthal von der B 52-Verbändekooperation in seinem Schlusswort.

Ihre Positionen zur Krankenhausversorgung in Baden-Württemberg hat die B 52-Verbändekooperation auch in einem entsprechenden Faktenpapier niedergelegt.

Hintergrund:
Zur Arbeitsgemeinschaft B 52-Verbändekooperation Baden-Württemberg gehören der BKK Landesverband Süd, die IKK classic, der Verband der Ersatzkassen Baden-Württemberg und die Knappschaft – Regionaldirektion München. Circa 60 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württem¬berg vertrauen diesen Krankenkassen und sind bei ihnen versichert.

Hinweis an die Redaktion:
Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich bitte an folgende Ansprechpartner/innen:

  • BKK Landesverband Süd
    Regionaldirektion Baden-Württemberg, Kornwestheim
    Jens Bürger, Telefon: 07154 1316-520
  • IKK classic
    Pressestelle Baden-Württemberg, Ludwigsburg
    Bettina Uhrmann, Telefon: 07141 9404-231
  • Knappschaft
    Regionaldirektion München
    Gisbert Frühauf, Telefon: 089 38175-405
  • Verband der Ersatzkassen (vdek)
    Landesvertretung Baden-Württemberg, Stuttgart
    Frank Winkler, Telefon: 0711 23954-19